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Die Tumorimpfung – ein neuer Weg für Krebspatienten

Posted on 21. Juli 2017 · Posted in Allgemein

Heilpraktiker und Immunologe Wilfried Stücker vom Immunologisch Onkologischen Zentrum Köln sprach im Biotech-Park über die Tumorimpfung als neue Vorgehensweise gegen Krebserkrankungen

Pfungstadt, 18. Mai 2017 – Mithilfe des Immunsystems den Krebs bekämpfen? Das ist eine neue Methode mit einer Grundidee, die schon lange von Wissenschaftlern verfolgt wird. Schon viele hundert Jahre beschäftigen sich Mediziner und Forscher mit dem Gedanken, das Immunsystem zu nutzen um Krebszellen zu zerstören. Die ersten Erfolgsversprechenden Experimente im Bereich der Immunonkologie gelangen dem Amerikaner William Coley.

Inzwischen werden die ersten Patienten erfolgreich behandelt. Das Immunonkologische Zentrum Köln (IOZK) hat sich auf diese Art der Krebsbehandlung spezialisiert und führt sogenannte Tumorimpfungen durch, die gezielt die erkrankten Zellen bekämpfen sollen. Wilfried Stücker, Arzt und Heilpraktiker am IOZK war am 18. Mai in den Räumlichkeiten der R-Biopharm AG im Biotechpark Pfungstadt zu Besuch, um die Methode der Tumorimpfung vor Politik, Fachpublikum, Mitarbeitern des Biotechparks und allen Interessierten genauer zu erläutern.

Aus entferntem Tumormaterial wird ein persönlicher Impfstoff

Wilfried Stücker erklärte anschaulich das Verfahren, wie es am IOZK durchgeführt wird: Nach einer operativen Tumorentfernung wird ein Teil des erkrankten Gewebes in ein zuständiges Speziallabor gebracht. Diese Proben enthalten die wichtigen Informationen über den Tumor, die später für den Impfstoff benötigt werden. Die Tumorzellen werden im Körper als harmlos angesehen, da sie körpereigen sind. So reagiert das Immunsystem des Krebskranken nicht mit der Bildung von Antikörpern zur Bekämpfung, wie es normalerweise bei Infektionen mit Bakterien und Viren stattfindet. Das Tumormaterial muss also soweit verändert werden, dass es vom Körper nicht mehr als körpereigen angesehen wird. Um das zu erreichen wird das entnommene Material mit dem Newcastle Disease Virus infiziert. Einem Virus, der für den Menschen keine gesundheitlichen Folgen hat.

Dendritische Zellen fungieren als Informanten

Aus der Blutprobe des Patienten werden bestimmte immunaktive Zellen isoliert, in Zellkultur vermehrt und mit den veränderten Tumorzellen zusammengebracht. Dendritische Zellen des Immunsystems können Tumorpartikel aufnehmen und präsentieren. Die mit Tumormaterial „beladenen“ dendritischen Zellen werden als „Impfstoff“ dem Patienten wieder injiziert. Wie bei einer Impfung wird das Immunsystem aktiviert und die entarteten Tumorzellen werden über körpereigene Antikörper bekämpft. Hierbei wird nur das erkrankte Gewebe angegriffen und die gesunden Zellen werden nicht geschädigt, wie etwa bei der Chemotherapie.

Nur krankes Gewebe wird angegriffen

Die Kosten des persönlichen Therapieverfahrens belaufen sich auf etwa 30.000 bis 50.000 Euro. Eine Kostenübernahme der Krankenkassen ist derzeit noch nicht möglich. Stücker versprach aber bei seinem Besuch in Pfungstadt, dass die Forschung am IOZK sich in Zukunft auch immer mehr auf die Massentauglichkeit der Behandlungsmethode konzentrieren wird, sodass die Krebsimmuntherapie für immer mehr Menschen möglich gemacht werden soll.

 

Weitere Veranstaltungen im Biotechpark Pfungstadt in Planung

Die in Zusammenarbeit mit der IHK organisierte Veranstaltung war wieder einmal etwas Besonderes für den Biotechpark Pfungstadt. Die Kooperation mit der IHK Rhein-Main startete im Jahr 2012 mit der Eröffnung des Biotechparks. Seitdem finden etwa einmal im Jahr Veranstaltungen dieser Art statt. Im Fokus liegen Themen, die neue wissenschaftliche Wege zeigen und in Randbereichen die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der R-Biopharm und des Biotechparks Pfungstadt streifen.

Die Vorträge sind immer ein voller Erfolg. Es kommen Gäste aus Wissenschaft, Politik und der Branche. Auch dieses Mal ließ sich die Pfungstädter Politik den Vortrag nicht entgehen: Allen voran Birgit Scheibe-Edelmann, die erste Stadträtin Pfungstadts mit den Stadträten Friedrich Hermann, Gregory Knop und Horst Knell sowie einigen Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung.

Mehr als 50 Gäste diskutierten auch nach dem Vortrag noch lange mit Wilfried Stücke, was zeigt, wie interessant und auch umfangreich das Thema ist. Auch Ralf Dreher und das Team von R-Biopharm waren vom Vortrag begeistert und zeigten sich offen in Hinblick auf weitere Veranstaltungen dieser Art.